erste e mail online dating -> ecupid online dating -> Vom Zwetschenmus am Elm

partnerbörse 50 plus Zu den immer wiederkehrenden Festtagen unserer Kindheit gehörten die Herbsttage, an denen die blauen Hauspflaumen, im Volksmunde unserer braunschweigischen Heimat kurz "dä Twetschen" genannt, zu dem begehrten und beliebten "Twetschenmaus" gekocht wurden.

Schon im Frühjahr begann die Vorfreude. Weiß wie Schnee leuchtete die Blütenpracht auf den vielen Bäumen rund um Haus und Hof. Kam dann der Sommer, so wurde mit einem gewissen Stolz immer wieder auf die vielen schönen Zwetschenbäume hingewiesen. War es denn endlich Ausgang September soweit, so pflückte die ganze Familie, und mit vollen Körben wurden die blauen, reifen Früchte nach Hause geschafft. Hier hatte die liebe Mutter längst den großen, kupfernen Kessel geputzt und zubereitet.

Nun konnte das "Mauskoken" beginnen. Unter ständigem Umrühren mit dem "Mauspümpel", einem galgenähnlichen Holze, wurden die Früchte, die vorher entkernt und gründlich gewaschen waren, stundenlang gekocht und eingedickt. Hinzu kamen Zucker, um den oft etwas herben Geschmack zu mildern, sowie grüne Wallnüsse, die mitgekocht, dem Mus einen dunklen, gefälligen Ton geben sollten.

Oft wurde die ganze Nacht hindurch gekocht. Zuerst waren wir Kleinen noch dabei, durften hin und wieder mit beim "Pümpeln" ablösen und durften den alten, so oft gehörten Geschichten lauschen, die von der Väter Kindheit, von "Hexenkram" und "Düwelsspauk" zu erzählen wussten. Als die Stunde schon vorgerückter war, mußten wir oft nicht ohne leise Gewalt ins Bett gebracht werden, teils aus Angst vor den eben gehörten Gruselgeschichten, teils aber auch aus Bedauern, nicht dabei sein zu können, wenn die süße Masse in die großen, irdenen "Pötte" und "Kruken" gefüllt wurde, um dann oben in der "Wostekamer" die langen Wintermonate hindurch bis in den kommenden Sommer hinein den begehrten Brotaufstrich zu bilden.

Wie beliebt in unserer braunschweigischen Heimat aber gerade das "Twetschenmaus" im Volke war, ersieht man am besten an den folgenden Beispielen, die von den Volkskundlern der verschiedenen Landesteile bestimmt noch reichlich ergänzt werden können.

In Esbeck bei Schöningen wurde früher oft und gern Zwetschenmus bereitet und gegessen. Da die Einwohner von Büddenstedt diese Schwäche ihrer Nachbargemeinde kannten, nannten sie die Esbecker scherzhaft "Mauskempen" [1], ein Neckwort, welches nicht selten mit handfesten Auseinandersetzungen beantwortet wurde.

Wie viele Dörfer unserer Heimat einen besonderen Neck- oder Scherznamen ihr eigen nennen, so hat auch Eilum, zwischen Asse und Elm gelegen, bei den umliegenden Nachbargemeinden seinen besonderen Namen. Es wird "Twetschenmaus-Eilen" genannt. Das aber hat folgende Bedeutung und Ursache [2]:
Auf dem nördlich des Dorfes gelegenen Zinterberge befindet sich eine kreisrunde Vertiefung, die seit altersher "dä Mauskettel" genannt wird.

Im Dreißigjährigen Kriege, als raubende, sengende und mordende Horden das Land unsicher machten, wurde auch Eilum hiervon nicht verschont. Da haben dann die Bauern den einzigen kupfernen Kessel des Dorfes auf dem Zinterberge, welcher damals noch rings von Dornen und wildem Gestrüpp umwachsen war, verborgen und sorgsam bewacht.

"Wenn wi ok allst verloren het, sau wüllt wi doch awerst tauer Herwesttiet use laiwe Twetschenmaus koken",
bravo show about online dating [Wenn wir auch alles verloren haben, so wollen wir doch aber zur Herbstzeit unser liebes Zwetschenmus kochen]
so hatten sie gesagt.

Diese Leidenschaft hat sich bis auf den heutigen Tag in Eilum erhalten.

"Als kleines Mädchen", so erzählte mir eine freundliche Eilumer Hausfrau [3], fragte mein Großvater, der in Groß Vahlberg an der Asse wohnte, wenn ich nach dort mit Mutter zu Besuch kam, immer:
'Na Lüttje, wat bellt denn dä Hunne in Eilen?'
und ich antwortete dann: 'Maus, Maus, Maus!'
'Un wat bellt se in Groten Vahlbarje?'
Da rief ich lachend: 'Balle, balle is Jakobsdach, Jakobsdach, Jakobsdach!'
und es war ein Lachen, Jubeln und Erzählen, welches mir jetzt noch in den Ohren klingt!"

Ja, wer das richtige Eilumer Zwetschenmus gekostet hat, der weiß, dass hier eine braunschweigische Spezialität bereitet wird, auf die das Dorf getrost stolz sein kann!

Auch von den Lelmer Hausfrauen ist nicht nur das gute Klumpkoken [4], sondern in erster Linie das gute Zwetschenmus bekannt, nachdem das Dorf in weiter Runde auch "Zwetschenlelm" genannt wird.

Wie sehr aber die Zubereitung des Zwetschenmuses eine lebensnotwendige Angelegenheit für die "kleinen Leute" auf den Dörfern war, ersieht man u. a. an einem Schreiben einer alten Lelmer Witwe an das Stellvertretende Generalkommando X. Armeekorps in Hannover [5] aus dem ersten Weltkriege.
Da es einen wertvollen Beitrag zu vorliegender Arbeit liefert, lasse ich es hier wörtlich folgen:

"Lelm, d. 8. III. 1916:
In betreff der Kupferkessel ablieferunge wende ich mich mit der Bitte an die Herrn des General Kommandos ob es nicht möglich war mir meinen Kessel zu lassen da wir alle Jahr Mus kochen un dasselbe nach der Stadt liefern den ich bin auf die erzeugung meines Gartens ganz un gar angewiesen muß sämptliche ausgaben davon bestreiten, bin Witwe mein Mann war Veteran v. 66, 70 + 71 un habe 2 Söhne im Felde der älteste is vor 3 Tage eingezogen der jüngste welcher unsere Stütze war, is nun auch schon 16 Monat in Feindesland und somit hin bin ich ganz auf die ertrage meines Gartens angewiesen was sollte ich wohl anfangen wenn ich den Kessel abliefer muß? habe denselben vor 2 Jahre erst neu angeschaft den alten habe ich abgegeben is mir schwer gefallen einen zu kaufen habe müssen in mehre mal bezahlen, und in Emalgekessel Mus kochen geht nicht da die Emalge ausspring un daher Gesundheitsschädlich un ein eiserner Kessel wird durch die groß Hitze gluh un dan brennt es ann da ich in der Meinung bin das Zwetschenmus auch mit zur Volksernährung gehört möchte ich Sie bitten wenn es möglich wäre mir meinen Kessel zu lassen Achtungsvoll Witwe Auguste Bethmann, Lelm Kreis Helmstedt Herzt Braunschweig N 65".

Das Stellv. Generalkommando Hannover [6] schreibt unter den 15. März 1916 an die Herzgl. Kreisdirektion Helmstedt:
"Die Verfügung des Kriegsministeriums Kriegsrohstoffabteilung, vom 24. Februar d. J. - Nr. M. 3231/10. 15. K.R.A. IV. Ang. - gestattet unter dem Abschnitt "Marmeladenkessel" eine Befreiung des Kupferkessels der Antragstellerin von der Ablieferung, etc."

Ob sich nun dieses "menschliche Verhalten" der oberen Dienststellen bis auf den zuständigen Gemeindevorsteher ausdehnte, an den die Witwe Bethmann verwiesen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

Dem Heimatfreunde sei aber gesagt,
"dat lelmsche Twetschenmaus smecket noch immer, dat 'n sick alle tain Finger danah aflecken kann" [7].
tv show about internet dating [das lelmsche Zwetschenmus schmeckt noch immer, dass man sich alle zehn Finger danach ablecken kann]



online dating eharmony Anmerkungen

[1] Richard Andree, Braunschweigische Volkskunde, 2. Aufl. (1901) S. 456 (= Dorfneckereien).

[2] Herr Herbst, Herr Beddig, Eilum, Verfasser mündlich überliefert.

[3] Frau Beddig, Eilum, Verfasser mündlich überliefert.

[4] Andree, a. a. O.

[5] im Besitze des Verfassers.

[6] Abteilung IV a 2 B Nr. 6288; von Seiten des General-Kommandos für den Chef des Stabes (Unterschrift) Kaiserlicher Finanzdirektor a. D.

[7] Die vorliegenden Ausführungen haben den Zweck zu ähnlichen volkskundlichen Forschungsergebnissen anzuregen und sie somit der Nachwelt zu erhalten.



erste e mail online dating beispiel von Heinz-Bruno Krieger

show about online dating mtv