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Der von Bredow. Eine Begegnung in schwerer Zeit. 1941.

beste partnersuche im internet statistik Es war Weihnachten 1941, - draußen, in der HKL [Hauptkampflinie], irgendwo vor Moskau [2].

Wir hatten längst unsere schweren 15 cm Feldhaubitzen sprengen müssen und waren nun als Schützenkompagnie in der vordersten Linie eingesetzt. Durch meterhohen Schnee waren wir getappt und ich betrachte es heute noch als ein Wunder, dass wir überhaupt den Weg in jene Stellung gefunden hatten, geschweige davon, dass wir später wieder aus dieser ausweglosen Lage zurück in unser Quartier fanden.

Der Winter hatte das weite Land mit einem dichten, weißen Leichentuch verdeckt und hin und wieder zeigte eine in den Schnee gesteckte Stange den Weg, der irgendwo hin führen sollte. Die Nacht war von dem weißen Schnee hell erleuchtet.

Wir standen mit unserer Gruppe in einem großen Schneeloch, dessen Wände seitlich von dem herausgegrabenen Schnee durch meterhohe Wälle etwas geschützt waren. Ein hoher, weiter Sternenhimmel wölbte sich über das nächtliche Land, dessen Stille von Zeit zu Zeit durch das Knattern der Maschinengewehre, durch den Abschuss eines Granatwerfers oder durch das Zischen einer emporsteigenden Leuchtkugel unterbrochen wurde. Unermüdlich stampften wir mit unseren schweren Stiefeln den Boden, um hierdurch die Kälte zu überwinden und uns vor Erfrierungen zu schützen.

Ich erinnere mich heute noch jeder Einzelheit dieser nächtlichen Stunden in vorderster Front. Es war so kalt, dass vereinzelten Kameraden die Schlösser in den Karabinern eingefroren waren.

Einer war in jener Nacht unter uns, der durch seine interessanten Erzählungen wesentlich dazu beitrug, diese Stunden zu kürzen und uns so, nicht bewusst der großen Gefahr und dem Ernst der Lage, dazu verhalf, unsere Gedanken in die Ferne schweifen zu lassen.

Dieser Kamerad im langen, feldgrauen Mantel, den Stahlhelm auf dem Kopfe und den Ohrenschützer um Hals und Kopf gezogen, war ein Graf von Bredow [3].

Im Augenblick aber war er wie ich und viele andere, gleichaltrige junge Landser auch, Gefreiter der Deutschen Wehrmacht in Russland. -

Seine Mutter [4], eine geborene von Bismarck, war die Tochter des Fürsten Herbert Bismarck [5]. Somit war unser Bredow ein Urenkel des Eisernen Kanzlers, Otto von Bismarck [6].

Da ich mich schon früh mit der Geschichte beschäftigt hatte und hier besonders die Genealogie mein größtes Interesse einnahm, fiel es mir nicht schwer, mit dem von Bredow in ein diesbezügliches Gespräch zu kommen, das ich schon lange einmal gesucht hatte, aber nie so recht möglich gewesen war. Nun hier, in dieser Nacht, es war die heilige Nacht vor Moskau, bot sich die Gelegenheit.

Wir waren durch das unermüdliche Gestampfe müde geworden. Wir hatten auch "die Schnauze voll" - wie man so im Landserjargon zu sagen pflegte, und fingen an zu schimpfen über alle möglichen Dinge und brachten gewiss auch unserer Hoffnung Ausdruck, ja recht bald wieder zu Hause, in der Heimat bei Mutter sein zu dürfen und dass der Krieg für uns alle ein recht baldiges, siegreiches Ende nehmen möge. -

Da hakte der von Bredow ein. Er machte aus seiner Skepsis keinen Hehl und ich höre heute noch seine prophetischen Worte, mit denen er aus seiner Sicht die Lage, die große Strategie der Schlachten und der Weltpolitik sah und schilderte. Wir alle waren still geworden und ich glaube, ich war es nicht allein, der aus dem Gesagten des von Bredow die Stimme eines Mitgliedes einer alten, durch die hohe Schule von Generationen geprägten Diplomatenfamilie heraushörte.

Der von Bredow erzählte, nicht ohne einen gehörigen Schuss Ironie, aber auch nicht minder spürbaren Sarkasmus, wie er noch kurz vor Ausbruch des Krieges 1939 bei seinem Onkel [7] in London gewesen sei, und dort auch schon die Jahre vorher erlebt habe, wie tollpatschig und unmöglich sich der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop und seine NS-Diplomaten in der englischen Metropole und bei Hofe benommen hätten.

So wäre es, um nur ein Beispiel zu nennen, nicht selten vorgekommen, dass der deutsche Außenminister sich bei jeder nur irgendwie bietenden Gelegenheit in auffälliger Art in die Brust geworfen hätte, nach rechts und nach links gesehen hätte, um dann mit hoch erhobenem, weit ausgestrecktem Arm den "deutschen Gruß" zu zeigen. Dieses ganze Gehabe nun wäre der englischen Gesellschaft und ganz besonders der Familie seines Oheims, des Fürsten Bismarck [8] immer sehr peinlich gewesen.

Er selbst, Bredow, habe direkt gefühlt, wie sehr die Deutschen bei großen, gesellschaftlichen Anlässen von den Engländern geschnitten worden wären, ja direkt übersehen wurden.

Als er selbst einmal Zeuge einer solchen Begebenheit wurde, er war in einer englischen, verwandten Familie zu Gast, und diese hatten den jungen Aristokraten mit zu einer Veranstaltung genommen, fragte er diese Freunde direkt danach, wie es käme, dass seine Landsleute von den Engländern so sehr brüskiert würden. Hierauf bekam er dann die lakonische Antwort, dass das ganze Getue und Gehabe der "Nazis" dem eines Neureichen und Emporkömmling gleiche und diese Kategorie auf der Insel noch nie etwas gegolten hätte.

Hierüber hinaus, so sagten die Engländer weiter, beobachte man auch mit großer Sorge die ganze außen- wie innenpolitische Lage und Entwicklung in Deutschland, und man machte meiner Familie und mir schon damals die Prophezeiung, dass Hitler und seine Leute die ganze Welt in eine Katastrophe stürzen würden [9].

Ein andermal, so erzählte der von Bredow weiter, habe sich der ganze Größenwahn in einer Groteske widergespiegelt, deren ganze Tragik man nun jetzt, in diesem Augenblick, hier in der HKL, bei 41 Grad minus, am eigenen Leibe verspüren könne.

Es war am Vorabend des Stapellaufes des Schlachtschiffes Bismarck. Die ganze große, fürstliche Familie war auf Friedrichsruh versammelt gewesen und man habe sich sehr gefreut, hier eine passende Gelegenheit zu finden, sich einmal wieder in der Heimat zu sehen.

Auf einmal war ein Bediensteter des Hauses erschienen und habe dem Hausherrn gemeldet, dass der Ortsgruppenleiter soeben erschienen sei und um eine Aufwartung bitten würde. Er wurde dann auch von dem Fürsten Bismarck herein gebeten und stand nun in seiner braunen Amtswalteruniform als örtlicher Hoheitsträger vor den Bismarcks und deren nächsten Verwandten.

Früher, so sagte der von Bredow wörtlich, war dieser Mann mit tiefen Bücklingen und Verbeugungen in das Schloss gekommen und hatte, da er von Beruf Schuhmacher war, die "fürstlichen Schuhe" persönlich zum Besohlen abgeholt und auch wieder zurückgebracht. Nu stand er hier und schlug sich in eingeübter Pose mit der Hand vor seine Brust und sprachhochtrabende Worte.

Mit theatralischer Geste und erhobener Hand sagte er wörtlich: "Wir werden morgen alle den für Deutschland, ja für die ganze Welt historischen Augenblick erleben, in dem der Führer das neue Schlachtschiff Bismarck, Ihrem Ahnherrn, dem Alt-Reichskanzler zu Ehren benennen und taufen wird. Führ wahr! Ein erhabener Anlass, ein historischer Moment! - Ich aber sage Ihnen, meine Herrschaften"

- und, so sagte der von Bredow wörtlich: er schlug sich wieder und immer wieder vor seine Schuhmacherbrust -

"was Ihr großer Ahnherr nicht fertig gebracht hat, wir, wir werden es erfüllen und zu Wege bringen!" - "Denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt!"[10]

Das Schlachtschiff Bismarck war nicht lange im Einsatz gewesen. Nach heldenmütigem Kampf ist es am 20.Mai 1941 im Atlantik untergegangen. Aber blenden wir nun zurück, zu jener Nacht vor Moskau 1941.

Der Morgen graute schon als wir endlich, nach vielen Stunden angestrengter Wache, wieder zurück in unsere Quartiere kamen. Die heilige Nacht 1941 war vorbei und der erste Weihnachtstag begrüßte uns wenige Stunden später mit pfeifenden Stalinorgeln, die auf das Nachbarhaus herunter gingen und alle Kameraden, mit denen wir in der Nacht noch zusammen auf Wache gewesen waren, in nur wenigen, schrecklichen Minuten hatte sterben lassen.

Der von Bredow und ich, wir hatten, neben noch einigen wenigen Kameraden, dieses Mal noch Glück gehabt. Wir waren noch einmal davon gekommen [11].

Später, nach vielen Jahren hörte ich [12], dass der von Bredow als Oberleutnant der Artillerie im Osten noch wenige Wochen vor dem Kriegsende gefallen ist. -

Ich denke oft an diese heilige Nacht 1941, in der HKL vor Moskau zurück. Dann sehe ich vor mir die graue Silhouette stampfender Gestalten im Schnee und höre die Worte des von Bredow, der die Wahrheit und das Ende so früh schon vorausgeahnt hatte, und der doch nichts hatte ändern können. Er war gebunden in dem furchtbaren Zeitgeschehen wie wir alle und darüber hinaus gefesselt in der Tradition einer altpreußischen Familie.

Ich vergesse den von Bredow nicht - der den Kelch dann zu guter letzt noch hatte austrinken müssen bis zur bitteren Neige....



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[1]. HKL = Hauptkampflinie

[2]. Wir waren Angehörige der 3.Batterie, Artillerieregiment 59 (Spandau), der schweren Abteilung (Schwere Feldhaubitz-Batterie 15 cm, bespannt) Infanterie Division Nr.23 (Potsdam) Feldpostnummer 25144 D. Unsere Einheit hatte mit der Division den Vormarsch über Bialystok - Minsk - Ossow - Mogilew bis auf die Angriffs- und Abwehrkämpfe im Raum Rosslawl mitgemacht und war dann am 2.Oktober 1941 mit zu der großen Offensive auf Moskau über Wjasma - Bog - Lanowka - Wolokolamsk bis zur Autobahn nach Kalinin, 33 km vor Moskau vorgestoßen, wo uns der furchtbare Kälteeinbruch von über 40 Grad Minus überraschte.

[3]. Wolfgang Graf von Bredow. Gefallen im Osten 1945 als Oberleutnant

[4]. Hannah von Bismarck. Verheiratete Gräfin von Bredow

[5]. Fürst Herbert von Bismarck (1849 - 1904). Staatssekretär des Auswärtigen Amtes.

[6]. Otto von Bismarck (1815 - 1898). Deutscher Reichskanzler und Gründer des Deutschen reiches (1871)

[7]. Otto Fürst von Bismarck (geboren in Schönhausen 1897). 1923 Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei. 1927 Eintritt in den diplomatischen Dienst. 1928 Heirat mit Ann-Mari Tengbom, Tochter des schwedischen Architekten Tengbom. 1928 als Gesandtschaftsrat an die deutsche Botschaft in London. 1937 Dirigent der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin. August 1943 von den Nazis in den Wartestand versetzt und auf seine Güter verbannt. 1953 - 1965 Bundestagsabgeordneter der CDU des Wahlkreises 14, Herzogtum Lauenburg.

[8]. Die Familie war sehr eng mit dem späteren Herzog von Windsor, dem Prinzen of Wales (Edward VIII.) befreundet, der bis zu seinem Tode ein enges, persönliches Verhältnis zu den Bismarcks gehabt hat.

[9]. Bredow war sehr gut bekannt, dass sein Urgroßvater längere Zeit als Diplomat in Russland gewesen war und sich immer für eine neutrale Politik mit Russland eingesetzt hat. Er wies auch mehrfach besonders auf diese diplomatische Weitsicht seines Vorfahren hin, ohne hierbei die nun vorherrschende ideologische Situation außer acht zu lassen. Er bedauerte die sich hieraus ergebene Schwierigkeit sehr.

[10]. Kehrreim des NS-Liedes: "Es zittern die morschen Knochen der Welt vor dem großen Sieg".

[11]. Am Mittag des 1.Weihnachtstages 1941 wurde die kleine Ortschaft, in der wir lagen und die vorher unter heftigem Stalinorgel und Artilleriebeschuss gelegen hatte, von mehreren T 34 Panzern angegriffen, auf denen Rotarmisten in weißen Tarnmänteln saßen. Wir konnten aber die Ortschaft, nach schwerem Kampfe halten und setzten uns dann jedoch in der Nacht zum 26.Dezember 1941 weiter ab.

[12]. Ich bin dann Frühjahr 1942 von der Front nach Jüterbog zum Artillerie-Lehrregiment versetzt worden. Hierdurch kam ich mit dem Grafen von Bredow auseinander.

Heinz-Bruno Krieger 1976