chat ohne anmelden und registrieren österreich -> partnersuche online österreich youtube

chat rooms barrie ontario

Das Amtsblatt

single mit kind sucht eva Träumen und schreiben! - Die Gedanken fliegen mit der Feder um die Wette - und die Jugendzeit, die Kindheit steht wieder vor einem auf. Man sieht Menschen, erlebt Begebenheiten und längst vergessene Kleinigkeiten. Selbstverständlichkeiten des Alltags werden vor dem geistigen Auge wieder lebendig. Durch die rosarote Brille der Erinnerung sehen wir die vielen Bilder unserer Kindertage.


Werbeannonce der Buchdruckerei Lüders Da war das "Amtsblatt für Königslutter und Umgebung", die meistgelesene Zeitung in der Stadt. Es wurde gedruckt bei Heinrich Lüders auf der Schöppenstedter Straße in Oberlutter, wo es schon dessen Schwiegervater, der alte Louis Bökel 1876 gegründet hatte. Zeitungsausträger brachten es dann in die Häuser in weiter Runde. Wer nun aber glaubte, dass diese Zeitung am frühen Morgen schon auf dem Kaffeetisch bereit gelegen hätte, der würde schwer enttäuscht werden.

Das Amtsblatt kam des Nachmittags, so zur Kaffeezeit, ins Haus. Nach dem Abendbrot, in aller Ruhe und Behaglichkeit, wurde die Abendlektüre gelesen. Da standen dann die täglichen Neuigkeiten, die nun eben mal zum Tages- und Jahreslauf gehören, schwarz auf weiß gedruckt. Der erste Blick ins Amtsblatt galt in der Regel immer der Rückseite, um hier festzustellen, ob nicht wieder ein Bekannter oder Verwandter das Zeitliche gesegnet hatte. Dann erst wurden die anderen Bekanntmachungen und Berichte mit großer Wissbegierde aufmerksam gelesen.

Damals gab es noch keine Rundfunkempfänger, geschweige Fernsehapparate und der Inhalt der Zeitung bildete den Gesprächsstoff der langen Winterabende.

Vor allem war es immer der Roman, der in unzähligen Fortsetzungen die großen und kleinen Leser fesselte. Nicht selten fieberte man schon dem nächsten Abend voll Spannung entgegen, um die weiteren Begebenheiten der Handlung folgen zu können.

Besondere Freude und ein großes Interesse fanden immer wieder die vielen heimatgeschichtlichen und volkskundlichen Artikel und Aufsätze, die der alte Kantor Lüders, der im Stifte Königslutter gegenüber dem Kaiserdom in einem schönen alten Fachwerkhause wohnte, regelmäßig im Amtsblatt veröffentlichte. Ich selbst habe schon früh, nachdem ich lesen und schreiben in der Schule gelernt hatte, diese heimatkundlichen Aufsätze gelesen und förmlich verschlungen. Auch meine Eltern verfolgten diese Berichte immer aufmerksam, um sich dann später oft über die beschriebenen Begebenheiten noch lange zu unterhalten. An den Wochenenden erschien jedes Mal eine Rubrik unter der Bezeichnung "Wind uter Klustwetje" - in der der alte Stadtkämmerer Siedler, übrigens ein Schwager des alten Buchdruckers Lüders, in "plattdütsch" in humorvoller Form, Fehler und Schwächen der Menschen in Stadt und Land anprangerte und glossierte. Siedler war darüber hinaus nicht weniger bestrebt, mit seinen Berichten und Darstellungen irgendwie erzieherisch und auch wohl politisch auf die Leser einzuwirken. Diese schriftstellerische und journalistische Tätigkeit brachte ihm bei vielen Mitbürgern eine gewisse Popularität und Beliebtheit ein. -

Denke ich an das alte Amtsblatt meiner Kindheit, so darf ich auf keinen Fall der unermüdlichen und treuen Zeitungsfrau vergessen, die viele, viele Jahre hindurch dasselbe in unzählige Häuser der Stadt getragen hat. Es war dieses Frau Ida Heine, vom Niedernhofe, deren kleines Haus gleich vorn das erste war, wenn man von der Bullentwetje in den Niedernhof einbog. Heute ist dieses schöne, kleine Fachwerkhaus längst der Spitzhacke zum Opfer geworden.

Wilder Wein rankte sich an dem Häuschen empor und ich sehe es, klein und ducknackig noch heute in Gedanken vor mir. Ida Heine hatte eine humorvolle und immer freundliche Art an sich. Sie sprach grundsätzlich in der alten, plattdeutschen Mundart der Väter. Zu jeder Zeit und zu jedermann hatte sie immer ein fröhliches und aufmunterndes Wort auf den Lippen, trotzdem sie es mit ihren drei Kindern gewiss nicht leicht im Leben gehabt hat. Als alleinige Ernährerin musste sie jeden Pfennig zweimal umdrehen, ehe sie ihn ausgab. Ihr Sohn Rudi ist aus dem unseligen Kriege nicht wieder zurückgekehrt - seine alte Mutter hat manche Träne um ihren Jungen geweint.

Sie hat dann "op öhre olen Dage" noch einmal geheiratet und ist mit ihrem Ehemann, dem alten Gustav Lochte, noch einige Jahre recht glücklich verheiratet gewesen. Ich habe die alten Leutchen in ihrem kleinen Hause am Niedernhofe oft besucht. Sie haben mir dann viele, viele alte Sagen und Begebenheiten aus dem "Lutter" vor nun mehr über hundert Jahren erzählt. Nicht selten war mir doch recht grulig zu Mute, wenn der alte Lochte seine Spuk- und Geistergeschichten erzählte. Die alte Mutter Lochte, wie Ida Heine nun genannt wurde, saß ganz still dabei und nickte hin und wieder, wie zustimmend, mit dem Kopfe und die alte, dicke Katze schnurrte verhalten in ihrer Ecke dazu. -

Das sind Erinnerungen an Jahre, die längst vergangen sind, an Begebenheiten und Menschen meiner Kindheit am schönen Elm.

Das alte Amtsblatt gehört nun seit langem der Vergangenheit an. In den dreißiger Jahren wurde es, nachdem die Druckerei und das Geschäft schon einige Zeit davor in die Westernstraße verlegt worden war, in "General-Anzeiger" umbenannt. Nach dem Kriege 1945 hat dann Walter Lüders, der Sohn des obigen mehrfach erwähnten Buchdruckers Heinrich Lüders, wieder eine eigene Heimatzeitung, die "Elm-Rundschau" herausgegeben. In dieser kleinen Zeitung habe ich dann 1950 meine ersten kleinen Heimataufsätze veröffentlicht.

Nach dem so frühen Tode des verdienstvollen Verlegers Walter Lüders, der auch zeitweilig Bürgermeister der Stadt Königslutter gewesen ist, wurde die Elm-Rundschau noch einige Monate von dem Sohn Ottomar Lüders herausgegeben. Da die Herausgabe einer kleinen Zeitung der großen Konkurrenz gegenüber mit sehr großen Schwierigkeiten verbunden war, wurde der Druck derselben Ende 1950 eingestellt. Sie wurde in der Folgezeit mit der Braunschweiger Zeitung vereinigt und führt diese noch heute den Untertitel "Elm-Rundschau". -

In den Erinnerungen der Alten aber hört man noch heute von dem Amtsblatt - der Zeitung unserer Groß- und Urgroßeltern in Stadt und Land am Elm....

Heinz-Bruno Krieger