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Begegnungen mit dem Tode

live free chat rooms india Wie kurz ist doch ein Menschenleben?
Wir schnell eilen die Tage, Wochen und Monde dahin, reihen sich zu Jahren auf, um dann zu enden, einzumünden in Gottes Unendlichkeit! -


Der Zollplatz in Königslutter um 1960 Die erste Begegnung mit dem Tode hatte ich vor vielen Jahren auf dem Zollplatz meiner Heimatstadt Königslutter. Hier sah ich den ersten Totenschädel, der bei Kanalisationsarbeiten zu Tage gefördert war, auf einem großen Sandhaufen liegen.

Da lag er nun und grinste mich mit seinen leeren Augenhöhlen an. War es tatsächlich nur ein Grinsen oder war es nicht ein Fragen? - ich weiß nicht, heute, nach all den vielen Jahren sehe ich diese "Begegnung" mit ganz anderen Augen, mit ganz anderen Gedanken. -


Die Siegessäule auf dem Zollplatz, im Hintergrund das Postamt Die Totengebeine lagen rings zerstreut und alles machte einen unheimlichen, makabren Eindruck auf mein kindliches Gemüt. Eigenartig war jedoch, dass die vielen Kinder neben mir kaum Notiz von diesen Relikten vergangener Geschlechter nahmen und unbekümmert, ja fast unbeeinflusst, im Sande des nahen Spielplatzes weiterspielten. Nur ich, so möchte ich meinen, war doch damals schon irgendwie tief beeindruckt, wurde mir doch hier zum ersten Mal so recht bewusst, wie vergänglich wir Menschen doch alle letzten Endes sind. -

Ein Nachbar meiner Eltern, der alte Invalide Emil Unger, hatte sich einen Totenkopf mit nach Hause genommen. Er hatte die Augenhöhlen mit rotem Seidenpapier gefüllt und dann eine Kerze hinter den Schädel gestellt, um diesen nun ein einem dunklen Zimmer unvorbereiteten Gästen oder herbeigerufenen Leuten zu präsentieren.

Mein Vater nun war auch einer jener hinbestellten Besucher gewesen. Der Schreck hatte ihm noch lange danach in den Knochen gesteckt und er war immer sehr aufgebracht, wurde er nur an dieses unschöne Erlebnis erinnert.

Meine Mutter ging sehr gern und oft mit uns Kindern zum Friedhof an der Helmstedter Straße, dem sogenannten "Unterlutterschen Friedhof", der zu Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts online live chat rooms [19. Jahrhundert] dort draußen, vor den Toren der Stadt angelegt worden war.
Ein Grabkreuz auf dem unterlutterschen Friedhof an der Helmstedter Straße Hier waren nun seit vielen Jahren ihre Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten und alle nahen und entfernten Verwandten zur letzten Ruhe gebettet. Der Gottesacker bestand aber auch aus einem bereits älteren Teil, der wohl schon in der Biedermeierzeit angelegt worden war. Hier war nun ein so rechtes verwunschenes Stückchen Erde, wildverwuchert und doch so recht unberührt noch mit den alten Gräbermalen der Altvorderen. Dicht durchsetzt mit Rosen- und Holunderbüschen, Weiß- und Rotdornhecken und vielen Ahorn- und Akazienstauden, war es ein Bild, das nicht nur Ruhe und Frieden ausströmte, sondern darüber hinaus auf Schritt und Tritt zeigte, wie sehr unser Leben von dem Vergehen, von der Vergänglichkeit umgeben ist.

Da standen noch die vielen eisernen Grabkreuze, nicht selten zierlich durchbrochen und von meisterlicher Hand verschnörkelt geschmiedet. Andere Kreuze wiederum waren breit und behäbig, mit dunkel vergoldeter Schrift. Sie gaben davon Kunde, wer hier vor langer, langer Zeit zur letzten Ruhe gebettet worden war. Ein großer, hoher Stein, auf dem eine, durch ein Tuch halbverdeckte Urne stand, erzählte von dem antiken Stil einer fernen Zeit und dem hervorragenden Kunstsinn vergangener Generationen. Alle diese vielen Gräber umwob der kleinbürgerliche Geist einer alten, traditionsreichen Stadt.

Mutter wusste von vielen Menschen zu berichten, die sie selbst noch in ihrer Kindheit gekannt hatte oder von denen sie vom Hörensagen zu erzählen wusste.

Auf einem Grabe lag ein schweres, eisernes Grabkreuz, das schrägliegend auf einem eisernen Anker ruhte. Es war nur in großen Buchstaben der Name "CAROLINE" eingegraben.

Dieses Grab lag seitlich hinter der alten Leichenhalle, die noch, der Überlieferung nach, aus der bösen Cholera-Zeit stammen sollte. Immer wieder war dieses stille Grab, vor dem die alten Leute stehen blieben, Ziel unserer Fragen und unserer Gedanken.

Es war dann immer wieder dieselbe alte Geschichte, die unsere Mutter uns Kindern auf unsere neugierigen Fragen erzählte.

Caroline war vor langer Zeit eine junge und schöne Seiltänzerin gewesen, die mit fahrenden Leuten im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts other random chat sites like omegle [19.Jahrhundert] in die kleine Elmstadt gekommen war, um hier auf dem Markte ihre Kunst zu zeigen. Hoch in den Lüften hatte man weit über den Platz hinaus ein Seil gezogen, auf dem nun die junge Künstlerin am Abend ihre Künste zeigen sollte.

Es war eine große Menge Schaulustiger aus Stadt und Land zu diesem angekündigten Ereignis auf dem Marktplatz unserer kleinen Stadt erschienen. In dem täglichen Einerlei der kleinen Landstadt bildete diese Zirkusvorstellung eine gern gesehene Abwechslung. Gespannt starrten alle, Männer und Frauen, Jungen und Mädchen in die Luft.

Der Markt war mit Petroleumlampen hell erleuchtet - Gas oder gar Elektrizität gab es damals hier zu dieser Zeit noch nicht. In den Fenstern hatten die Bürger brennende Kerzen aufgestellt. - Aber es sollte alles anders kommen.

Nachdem die schöne Caroline mehrere tänzelnde Schritte auf dem Seil zurückgelegt hatte, sie hielt in der einen Hand zierlich einen kleinen Sonnenschirm, war es plötzlich zu dem Unglück gekommen. Sie hatte das Gleichgewicht verloren und war ganz unerwartet, im Bruchteil einer Sekunde, auf das Kopfsteinpflaster des Marktes gestürzt.

Ein Aufschrei aus vielen hundert Kehlen begleitete den Absturz des Mädchens Caroline. Man erzählte sich später in der Stadt, dass eine Frau, die mehr sehen konnte als gewöhnliche Sterbliche , gesehen habe, dass unter den Musikanten, die die Veranstaltung mit ihrem Spiele begleiten sollten, der Tod gesessen habe und die Fidel gespielt hätte. -


Das eiserne Grabkreuz der tödlich verunglückten Caroline Caroline fand ihre letzte Ruhe auf dem Friedhof, weit draußen vor den Toren der Stadt. Ganz Königslutter hatte dem jungen Mädchen das letzte Geleit gegeben. -

Nun waren inzwischen wohl mehr denn hundert Jahre vergangen und tief und dicht hingen die weißen Holunderdolden auf das alte, schwere Kreuz hinab, so, als wollten sie das stille Grab des so tragisch ums Leben gekommenen jungen und schönen Mädchens Caroline umkosen ....

Wie viele Schicksale, wie viele Tragödien deckte hier der kühle, grüne Rasen?

Ein Vater lag neben seiner Tochter gebettet. Beide hatte der Tod in einer Nacht dahingerafft. Noch konnte man die alten Pastorengräber finden, in denen die Seelenhirten der Stadt seit über hundert Jahren dem jüngsten Tage entgegen schlummerten.

Die Armen-Sünder-Ecke wurde bewusst von allen gemieden. Hier hatten die Selbstmörder und Vagabunden, Landstreicher und fremde Handwerksburschen, aber auch Scherenschleifer und Rattenfallenverkäufer die letzte Ruhe gefunden.

Noch höre ich die frommen Choräle, die die Musikanten beim Begräbnis eines alten Invaliden und Veteranen von 1870/1871 spielten. Erschauere in Gedanken bei dem dreifachen Ehrensalut, der wie ein Gewittergrollen über den stillen Friedhof dahin rollte.

Ich sehe mich noch in Gedanken, wie ich als Junge von dreizehn Jahren am alten Heldenmal von 1914/1918, das heute längst seinen alten Standpunkt weichen musste und auch nicht wieder in der ursprünglichen Form aufgestellt ist, die vielen, vielen Namen der Gefallenen in ein Buch abschreiben. Ich habe damals gewiss nicht geahnt, dass nur wenige Jahre später wieder viele Männer und Frauen Opfer eines neuen, noch furchtbareren und grausameren Krieges werden sollten und dass ich selbst in diesem Kriege um ein Haar mein Leben hätte lassen können, wäre es nicht im Ratschluss der Gottes anders bestimmt worden. Wie viele Birkenkreuze habe ich draußen auf den Weiten des Ostens stehen sehen und wie viele meiner Schul- und Jugendfreunde fanden draußen in der Ferne ihr Grab . -

Die Erinnerung an diese Begegnungen mit Tod und Vergänglichkeit liegen weit zurück. Wie schnell sind doch die Jahre dahingegangen. Mutters Hand ist lang schon nicht mehr da, und ich stehe oft, ganz still vor ihrem Grabe....

Heinz-Bruno Krieger